Alkohol: Die legale Volksdroge

Shownotes

Ein Gläschen Wein zum Essen, ein Bierchen zum Feierabend, ein Schnäpschen in geselliger Runde – Alkohol gehört für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch wie harmlos ist dieser Konsum wirklich? Die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen sind gravierend: Sucht, Krankheiten, Unfälle und enorme volkswirtschaftliche Kosten.
In der neuen Folge von „Lebenslinien“ spricht Ertan Altintas, Leiter der Psychiatrie, Psychotherapie & Psychosomatik der GFO Kliniken Troisdorf, über die Risiken eines riskanten Alkoholkonsums. Offen, verständlich und ohne erhobenen Zeigefinger – aber mit einer klaren Botschaft: „Es gibt keinen gesunden Alkohol.“

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00:00:01:

00:00:04: Lebenslinien zwischen Kopf, Herz und Schicksal.

00:00:08: Der Podcast über Gesundheit, Leben

00:00:11: und Pflege.

00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Lebenslinien, dem GFO Podcast.

00:00:18: Heute sprechen wir über ein Thema, das viele eher mit Party, mit Spaß, mit Gemütlichkeit, mit langen Nächten, eventuell auch mit Rausch und eventuell auch mit dem Karton danach selten damit wirklich negativen Verbinden, nämlich Alkohol.

00:00:32: Und ich spreche darüber hier in den GFO-Klinik Trostov mit Ertern Althintas, dem Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

00:00:42: Und bevor wir jetzt beschwingt, aber ganz ohne Alkohol und ohne den erhobenen moralischen Zeigefinger loslegen, einfach mal ein paar Zahlen vorne weg.

00:00:50: Laut dem Gesundheitsministerium konsumieren sieben, neun Millionen Menschen, der achtzehn bis sechstechige Bevölkerung in Deutschland, Alkohol in gesundheitlich riskanter Form.

00:01:01: Und laut dem Alkoholatlas, zwanzig, zwanziges deutschen Krebsforschungszentrums starben in Deutschland im Jahr zwanzig, zwanzig und vierzehntausend, zweihundert Menschen an Krankheiten, die ausschließlich auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind.

00:01:14: Wenn man dann noch Krankheiten einbezieht, bei denen Alkohol ein Mitfaktor ist, liegt die Zahl der Albu alkoholbedingten Todesfälle jedoch deutlich höher.

00:01:22: Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich über vierzigtausend Menschen in Deutschland vorzeitig an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben.

00:01:31: Da ich jetzt als erste Frage an Sie, Herr Althitas, was genau ist eigentlich der riskante Gebrauch von Alkohol?

00:01:36: Ist das schon das berühmtige Les in Bier oder Wein zum Feierabend?

00:01:40: Das ist eine sehr, sehr gute Frage zum Einstieg.

00:01:44: Ich

00:01:44: finde, vorne weg ist auch wichtig zu erwähnen, dass es mittlerweile so definiert ist, dass das keinen risikolosen Konsum von Alkohol gibt.

00:01:59: Es gibt sozusagen den Risikoarmen und den riskanten Konsum, weil früher gab es durchaus auch Überlegungen, dass Alkohol gesundheitsfördernde Effekte haben kann, dass es aber mittlerweile widerlegt, dass sozusagen auch die geringsten Mengen Alkoholkonsum grundsätzlich gesundheitsschädlich sein können, so dass es keinen risikofreien Konsum gibt.

00:02:24: Und es gibt eben Definitionen, ab wann man von einem riskanten Konsum ausgehen kann.

00:02:32: Da ändern sich manchmal die Grenzwerte.

00:02:36: Aber grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass so ein durchschnittlicher Konsum von zwanzig Gramm rein Alkohol am Tag unter den riskanten Konsum

00:02:46: fallen.

00:02:47: Was sind so für ein Lein zwanzig Gramm Alkohol am Tag?

00:02:50: Was für eine Menge ist das?

00:02:51: das Glas Wein, Bier oder?

00:02:54: Aber das sind durchaus, je nachdem wie hoch prozentig das Bier ist, aber bei so einem regulären Bier sind das ungefähr ein Liter bis eineinhalb Liter Bier am Tag.

00:03:06: Das ist eigentlich schon eine ziemliche Menge Bier am Tag, aber man betriegt sich ja selbst immer sehr gerne am besten.

00:03:12: Ich trinke doch nicht allein, nur wenn ich rausgehe und ich muss auch keinen Alkohol trinken, ich entscheide das immer noch selbst.

00:03:19: Daher ab wann spricht man von einer Abhängigkeit bzw.

00:03:23: Welche Kriterien gibt es da, die man da so vorgeben kann?

00:03:27: Also, wir in der Psychotherapie orientieren uns immer an bestimmten Diagnosekriterien, die bei uns festgelegt sind in sogenannten Diagnosemanualen.

00:03:43: Und es gibt durchaus eben Kriterien, ab wann man von einer Alkoholabhängigkeit spricht.

00:03:50: Man unterhält noch zwischen einem schädlichen Gebrauch und von einem abhängigen Konsum, vereinfacht gesagt, müssen innerhalb von einem Jahr für mindestens einen Monat, mindestens drei von sechs Kriterien erfüllt sein, um von einer Abhängigkeit sprechen zu können.

00:04:10: Und wenn wir uns dann diese Kriterien genauer anschauen, ist es vorwiegend das sogenannte Verlangen oder Craving, dass sozusagen Menschen, die an einer Abhängigkeit erleiden, immer wieder so ein sehr, sehr starkes Verlangen nach dem Konsum von Alkohol haben, dem sie gar nicht widerstehen können.

00:04:29: Das wäre sozusagen ein mögliches Symptom einer Abhängigkeitserkrankung.

00:04:34: Ein anderes mögliches Symptom ist sozusagen eine sogenannte Toleranzentwicklung.

00:04:42: Das heißt, um ähnliche Effekte zu erreichen, die man vielleicht vor ein paar Wochen, paar Jahren oder paar Monaten hatte, muss man immer höhere Dosen konsumieren.

00:04:52: Das heißt, früher war man vielleicht schon mit einem Glas Bier etwas beschwipst und euphorisch und um diese Effekte zu erreichen, muss man immer mehr konsumieren, weil sozusagen Toleranz eine Gewöhnung entsteht an die Substanz.

00:05:07: Das wäre auch ein mögliches Kriterium.

00:05:10: So als drittes Kriterium ist dann auch der sogenannte Entzugssymptome.

00:05:17: Das heißt, wenn man regelmäßig trinkt und plötzlich nicht mehr trinkt, dann kann es körperliche Phänomene geben wie eine innere Unruhe.

00:05:29: eine Zittrigkeit, schwitzige Hände, schwitzen am ganzen Körper, Blutdruckanstieg, Herzfrequenzanstieg, das sind sozusagen Entzugssymptome und die verschwinden dann auch wieder, wenn man wieder trinkt.

00:05:43: Aber wenn man sozusagen das in seinem Alltag merkt, okay, man macht morgens schon auf und hat solche Symptome, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass man unter eine Abhängigkeit leidet.

00:05:54: Und ganz, ganz wichtig ist auch so, was auch die Kriterien so als Kontrollverlust bezeichnen, mehr oder weniger.

00:06:04: Deswegen finde ich den Begriff auch Abhängigkeit gut, weil man einfach nicht mehr frei ist.

00:06:09: Das heißt, man ist abhängig von einer Substanz und man kann auch selber gar nicht mehr kontrollieren.

00:06:15: wann man trinkt, wie viel man trinkt und wann man aufhört.

00:06:19: Man nimmt sich zum Beispiel vor, ich werde heute nur ein Glas Bier trinken und landet dann dabei, dass man zehn Bier getrunken hat, dass wir sozusagen so ein typisches Symptom, den wir auch Kontrollverlust nennen.

00:06:31: Ein weiteres Symptom ist auch, dass so der Alkohol immer eine größere Rolle im Leben einnimmt.

00:06:39: Das heißt, man macht sich schon irgendwie Gedanken, wann werde ich das nächste Mal trinken.

00:06:45: überlegt sich vielleicht, oder wenn man schon erste Hinweise hat von den Angehörigen, versteckt man vielleicht den Alkohol, denkt den ganzen Tag darüber nach.

00:06:55: freut sich schon darauf, dass sozusagen einfach dieser Alkohol dieses Beschäftigte sein mit dem Alkohol mehrere Stunden oder vielleicht sogar den ganzen Tag einnimmt.

00:07:06: Wann werde ich trinken, wie werde ich trinken?

00:07:10: Das ist auch ein typisches Symptom und dass man auch darüber geht, vielleicht andere Interessen und Hobbys vernachlässig.

00:07:16: Das heißt, man beschäftigt sich die ganze Zeit damit, wann werde ich konsumieren, wie konsumiere ich und geht dann vielleicht nicht mehr in den Sportvereinen, wo man war, trifft sich vielleicht nicht mehr mit oder andere Hobbys und Interessen und Vergnügungen machen keinen Spaß mehr.

00:07:30: Das ist auch ein mögliches Kriterium.

00:07:34: Und als Letztes ist es eben so, mir ist bewusst, der Alkohol schadet mir körperlich und psychisch.

00:07:42: Ich habe so einen Bewusstsein dafür erlangt, aber ich konsumiere weiter.

00:07:47: Das heißt, ich weiß eigentlich schon, ich habe sozusagen wissen, dass der Alkohol mehr körperlich, psychisch oder beides Schaden zufügt, aber ich höre trotzdem nicht auf oder kann nicht aufhören.

00:07:58: Und wenn eben drei von diesen sechs aufgezählten Kriterien Symptomen über mindestens einen Monat fast durchgängig über einen Beobachtungszeitraum von einem Jahr bestehen, dann sprechen wir in der klinischen Praxis

00:08:14: von einer Abhängigkeit.

00:08:16: Da sind so ein paar Punkte gewesen, die ich noch aus meiner jüngeren Zeit kenne, wie dass man als hart gilt, wenn man besonders viel saufen kann.

00:08:24: Das Konterbierchen natürlich im nächsten Tag, was so sehr belustigt immer aufgemacht wurde.

00:08:29: Und dass man dann doch manchmal auch mal einen Freund der Leibplatine hinter so einer Nebelwand verschwunden sind, weil sie eben Freizeitaktivitäten nicht mehr mitgemacht haben.

00:08:39: Entweder weil sie einmal auf den Weg hergehen, weil sie ständig betrunken waren oder weil ständig dieser Alkoholgeruch in der Luft lag.

00:08:44: Aber ein paar Klischees sind dabei.

00:08:46: Nicht Klischees, paar Punkte sind dabei, die andere ja gerne so als cool empfinden würden.

00:08:52: Das ist, glaube ich, ein Problem, den Leuten das auch mal klarzumachen.

00:08:54: Das ist nicht mehr cool.

00:08:57: Welche Gründe kann es denn für einen erhöhten Alkoholkonsum geben?

00:09:01: Also, was sind so typische Moment-Situationen, wo Leute ... Also wo Menschen dann zum Alkohol greifen.

00:09:07: Es gibt ja so einen Klassiker, das Feierabendbierchen, das eben haben sie noch nicht mal gesagt, dass das total verboten sei, aber das ist ja so, das ist mal, wo ich sage, würde ich jetzt erstmal nichts Schlimmes empfinden.

00:09:20: Aber was gibt es für Symptome oder Momente, wo man sagt, naja, da sollte man vielleicht doch mal drauf achten, dass man... bisschen zu häufig da greift.

00:09:29: Also ich glaube wichtig vorneweg zu sagen, dass hier vor allem in unserer Kultur, also auch allgemeiner westlichen Kultur, aber vielleicht auch in Deutschland sehr besonders, die Alkohol auch tief verwurzelt und kulturell ist.

00:09:42: Es gibt hier eigentlich fast keine Gelegenheit.

00:09:45: die etwas feierlichen Charakter hat, wo Alkohol nicht auch dazugehört.

00:09:52: Das heißt, es braucht in Deutschland und in unserer Kultur gar keinen besonderen Anlass.

00:09:56: Alkohol ist eigentlich immer dabei, sei es beim Geburtstag, bei einer Verabschiedung, bei einem Fest, bei Volksfesten.

00:10:05: Das heißt, Alkohol ist in unserem Kulturkreis.

00:10:09: Allgegenwärtig.

00:10:10: Und man muss sich ja fast beinahe auch manchmal dann begründen, wenn man nicht trinkt bei solchen Gelegenheiten.

00:10:17: Das heißt, es besteht auch ein gewisser gesellschaftlicher und kultureller Druck sogar manchmal zu trinken.

00:10:25: Und das, was Sie vorhin angesprochen haben, irgendwie, dass es so auch als cool gilt, wenn man besonders viel verträgt.

00:10:34: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den ich ansprechen will.

00:10:37: Das wissen wir heutzutage.

00:10:39: Das ist eigentlich ein Risikofaktor, um abhängig zu werden.

00:10:42: Also, wenn ich beim ersten Konsum von Alkohol sagen werde als junger Mensch.

00:10:48: extrem aversiv reagiere.

00:10:50: Ich vertrag das nicht.

00:10:51: Ich muss mich übergeben.

00:10:52: Es fühlt sich schrecklich an.

00:10:54: Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich dieses Verhalten wiederhole, geringer.

00:10:59: Aber wenn ich sozusagen das vertrage und es fühlt sich sogar gut an für mich, es ist mit so einem euphorischen Effekt, ich habe vielleicht kein Kater, irgendwie fühlt sich alles gut an, dann ... Das ist sozusagen der typische Mensch, der das gut verträgt, aber der hat ein höheres Risiko, abhängig zu werden, weil er dieses Verhalten dann eher auch wiederholt.

00:11:20: Und je häufiger er dann trinkt, weil er es gut verträgt, kann daraus eher sozusagen eine Abhängigkeit entstehen.

00:11:28: Deswegen manchmal ist sozusagen eine genetische Disposition, dass man Alkohol nicht verträgt, was wir ja auch bei Asiaten zum Beispiel sehen, die Alkohol nicht so gut vertragen aufgrund ihrer Enzymkonsolation.

00:11:42: ist sozusagen von Vorteil.

00:11:43: Das heißt, Alkohol gut zu vertragen ist eigentlich ein Risiko, um auch abhängig zu werden später.

00:11:51: Und die müssen eigentlich besonders aufpassen, um später dann nicht auf dieser Substanz hängen zu bleiben.

00:11:58: Und was die noch angesprochen haben, ist, glaube ich, relevant natürlich.

00:12:03: dass natürlich auch Alkohol durch seine angstlösenden oder kurzfristig angstlösenden und beruhigenden Effekte auch mal missbräuchlich benutzt werden kann, um vielleicht von Stresssituation, von Angstsituation, von Überforderungssituation oder bei Schlafstörungen angewamst zu werden.

00:12:24: Das heißt, ich bin emotional belastet und da habe ich mal die Erfahrung gemacht, dass mich das kurzfristig beruhigt oder entspannt.

00:12:32: kurzfristig besser schlafen.

00:12:34: Das ist natürlich auch riskant, weil wenn man dann diese kurzfristige Erfahrung macht, dass man vielleicht besser schlafen kann oder dass man den Streit mit dem Chef in der Arbeit vergessen hat, dann besteht natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass man dieses Verhalten wiederholt und darüber auch eine Abhängigkeit entwickelt.

00:12:51: Wir wissen aber heutzutage aus der Forschung, Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich unter Alkoholeinfuss gut geschlafen habe, wissen wir, dass Alkohol grundsätzlich den Schlaf verschlechtert.

00:13:07: Also wenn wir Menschen, die Alkoholkonsumin im Schlaflauber untersuchen wollen, sehen wir eigentlich, dass das kein qualitativ hochwertiger Schlaf ist.

00:13:15: ... so dass eigentlich ... ... das so ein bisschen heimtückisch sein kann, ... ... dass man die Erfahrung gemacht hat, ... ... ich habe vielleicht geschlafen, ... ... aber dass es eigentlich kein qualitativ guter Schlaf ist.

00:13:26: Und das Alkohol ... auf alle Fälle nicht als problemlöse Werkzeug benutzt werden sollte, um die Probleme des Alltags zu vergessen, weil auch längerer Konsum, dauerhafter Konsum, das wissen wir auch, grundsätzlich auch das Risiko für alle möglichen psychischen Erkrankungen von Depressionen, Angststörungen, Psychosen, später auch Demenzerkrankungen erhöht.

00:13:53: Wenn man im Familienkreis oder bei Freunden eine solche Abhängigkeit erkennt, wie soll ich denn am besten reagieren?

00:13:59: Wenn ich jetzt feststelle, mein bester Freund, der kommt eigentlich nur noch mit gewissen Umdrehungen, betrifft man den, ist es ja auch häufig so, weil ich einen Alkoholismus kenne, dass Leute auch, wenn man sich mit ihnen verabredet, sich ja erst mal Mut antringen.

00:14:13: Das heißt, die haben ja schon einen im Tee, bevor die eigentlich vor die Tür gehen.

00:14:18: Wie reagiert man denn am besten, wenn man jetzt merkt, Mensch, Die Mutter, der Vater, der Bruder, der beste Kumpel, die Frau, der Partner, der trinkt ein bisschen viel.

00:14:28: Also ich finde grundsätzlich ist das immer die Frage, auch eine gewisse gesellschaftliche Frage, wie wir Freundschaft und Verwandtschaft definieren.

00:14:40: Und ich glaube, wenn wir ... Alle uns darauf einigen, dass Freunde auch dazu da sind, Sachen anzusprechen in der Beziehung oder beim anderen, die vielleicht in eine kritische Richtung gehen.

00:14:53: So sollte Freundschaft ja auch sein.

00:14:55: Freunde sollten nicht nur schön reden, sondern sollten auch in dieser Beziehung gegenseitig abgesprochen haben.

00:15:02: Oder das sollte klar sein, dass man auch mal Sachen anspricht, die man beobachtet, die nicht in eine gute Richtung gehen.

00:15:10: finde ich ist auch einfach wichtig, dass wenn man solche Probleme merkt bei dem anderen, dass man das wertschätzend ohne zu verurteilen, aber durchaus auch anspricht.

00:15:21: Dass man sagt, ich habe das Gefühl, dass da ein Alkoholkonsum problematisch ist.

00:15:31: Vielleicht wäre es gut, wenn du mal mit deinem Hausarzt darüber sprichst und solche Dinge.

00:15:36: Also ich bin da immer auch ein Freund davon, das offen und ehrlich anzusprechen.

00:15:40: Das kann natürlich auch durchaus mal Widerstand auslösen.

00:15:43: Trinkst du selber, was hast du mit ihm zu sagen?

00:15:46: Aber trotzdem ist das glaube ich wichtig, das angesprochen zu haben und immer auch... dem seinem Freund, seinem Bekannten oder seinem Verwandten klarzumachen, dass man das nicht verurteilt, aber dass das einen besorgt und das sollte man auf alle Fälle auch ansprechen.

00:16:09: Wenn ich jetzt für mich erkannt habe oder durch Hinweise von meinen Freunden, von meiner Familie, dass mein Trinkverhalten vielleicht außerordentlich geworden ist, dass ich eigentlich entweder abhängig bin oder in eine solche Abhängigkeit reinrutsche, Welche Wege gibt es denn dann, aus dieser Sucht rauszukommen?

00:16:27: Was sind denn so die ersten Schritte?

00:16:29: Häufig ist ja so, dass man okay, man erkennt etwas, weiß aber nicht, an wen wende ich mich jetzt, an welchen Arzt gehe ich, gehe ich jetzt zum Neurologen, gehe ich zum Psychologen, gehe ich zum Hausarzt.

00:16:42: Also, was sind so die ersten Schritte, die ich machen kann?

00:16:45: Ich würde sagen, dass immer so der erste Ansprechpartner zunächst der Hausarzt bzw.

00:16:50: die Hausärztin sein sollte.

00:16:53: Die können auch in manchen Fällen auch ein erstes Screening zum Beispiel mit einem Fragebogen machen, um etwas herauszudediktieren, ob das schon in eine Abhängigkeit geht.

00:17:04: Und dann gibt es sozusagen verschiedene Optionen im deutschen Gesundheitssystem.

00:17:11: Es gibt zum einen die Suchtberatungsstellen, wo man sich hinwenden kann.

00:17:18: die noch mal detaillierter sprechen, Angebote machen können, wenn dann sozusagen eine manifeste Abhängigkeit besteht.

00:17:30: Dann kann es sein, dass auch mal eine stationäre Entgiftungsbehandlung notwendig ist.

00:17:35: Dafür werden dann vorwiegend die Stadt zu die Psychiatrie.

00:17:37: Da müssen wir kurz reinhaken.

00:17:38: Das ist nämlich, weil wir das Thema letztens bei uns bei der Arbeit hatten, wenn man also Schwere Alkoholik ist es, eine Selbstentgiftung zu Hause relativ gefährlich sein kann.

00:17:53: Das sprechen Sie ein wichtiges Thema an.

00:17:56: Also Entgiftungsbehandlungen, also in Zügel, Alkohol in Zügel können somatische Komplikationen bedingen, die von einem epileptischen Anfall im Rahmen des Entzugs bis zu einem Delier Verwirrtheitszustand aber auch bis zum Tod führen können.

00:18:15: Deswegen sollten tatsächlich Entgiftungsbehandlungen, die meistens auch eine medikamentöse Unterstützung benötigen, immer auch in unterstationären Bedingungen erfolgen.

00:18:28: Und die körperlichen Entgiftungen, die dauern auch nicht sehr lange.

00:18:35: Ich sage mal, das ist vereinfacht gesagt die einfachste Sache

00:18:38: an der Behandlung einer

00:18:40: Alkoholabhängigkeit, die Entgifter.

00:18:42: Da geht es ja nur darum, dass die körperlichen Symptome, das wegfalls der Substanz, kopiert werden mit einem anderen Medikament und dass dann dieses Medikament auch ausgeschlichen wird, sodass man in Anführungsstichen entgiftet ist.

00:18:58: Und das dauert so in der Regel eine Entgiftung, nur eine rein körperliche Entgiftung, irgendwas zwischen zehn, sieben, zehn oder vierzehn Tagen.

00:19:09: Viel wichtiger ist, dann tatsächlich im Nachhinein eine sogenannte Entwöhnungsbehandlung zu machen.

00:19:16: Das ist dann im Volksmund auch Langzeittherapie genannt.

00:19:21: Die werden dann in spezialisierten Kliniken angeboten in Deutschland.

00:19:25: Gibt es in Deutschland einen Unterschied, dass die Langzeittherapien sozusagen von den Rentenversicherungen übernommen werden, die Entgiftungsbehandlungen von den Krankenkassen.

00:19:34: Das heißt, man muss eine Langzeittherapie beantragen.

00:19:37: Aber eine Langzeittherapie ist, wenn man sich die Evidenzlage anguckt für eine langfristige Abstinenz.

00:19:44: Wenn das das Behandlungsziel ist, durchaus eine wirksame Methode, weil es auch wichtig, dass wir diese psychische Komponente der Abhängigkeit nicht vergessen dürfen, der Patient oder die Patientin müssten auch in die Lage versetzt werden, zu verstehen.

00:19:59: wie denn ihr abhängiges Gehirn funktioniert?

00:20:03: Weil die Abhängigkeit ist ja eine Erkrankung, auch eine Erkrankung des Gehirns, mehr oder weniger auch eine chronische Erkrankung, weil man, auch wenn man abstinent ist, eigentlich sein Leben lang auf bestimmte Dinge achten muss, damit man nicht wieder rückfällig

00:20:20: wird.

00:20:22: Dass das als Abhängigkeitserkrankung anerkannt wird, das ist in Deutschland noch gar nicht so neu.

00:20:27: Früher war das ja eben auch, der Trinker war so der Willensschwache.

00:20:33: Aber wie gesagt, das wird als Erkrankung auch zurecht als Gehirnerkrankung akzeptiert, weil sich das Gehirn auch verändert.

00:20:41: Und es ist in Deutschland von den Kostenträgeln erst seit, neunzehnzechzig, als Erkrankung akzeptiert und somit auch die Übernahme der Behandlungskosten durch die Krankenkassen gedeckt.

00:20:54: Zum Abschluss unseres gesprächswürdiger Verfahren, was würden Sie sich denn als Experte allgemein zu diesem Thema wünschen, jetzt von der Politik oder von den Kassen oder von der Gesellschaft, denn Sie wirken jetzt nicht wie jemand, der mir mit dem erhobenen Zeigefingerchen hingewiesen ist.

00:21:07: Sie sagt, man darf gar nichts, sondern ich glaube, es geht um Bewusstsein oder sowas.

00:21:11: Also ich glaube, wichtig ist, dass wir uns klarmachen, dass wir neigen dazu bestimmte Substanzen in illegale und legale Drogen zu unterscheiden.

00:21:28: Und das macht manchmal mit uns.

00:21:29: Das heißt, die legalen Drogen werden etwas vernachlässig.

00:21:33: Die können gar nicht so schlimm sein.

00:21:36: Das ist auch meine Erfahrung.

00:21:37: Nach der Cannabis-Legalisierung habe ich immer mehr junge Menschen, die sagen, das kann ja gar nicht so schlimm sein.

00:21:44: Das ist jetzt legal.

00:21:45: Aber das war ja gar nicht der Zweck.

00:21:48: Die Legalisierung hat ja die Gesetze und die Ministerien, die das veranlasst haben, die sagen ja nicht, es ist gesünder, die sagen, wir legalisieren was.

00:21:58: Aber das wird so die Legalisierung von manchen Menschen so als dazu genutzt, das zu verharmlosen.

00:22:04: Wichtig ist, dass wir das nicht verharmlosen Alkohol und dass wir vor allem eben auch vulnerable Menschen davor schützen.

00:22:12: Und das ist, finde ich, vorwiegend junge Menschen und junge Erwachsene.

00:22:16: Ich finde schon auch sehr, sehr kritisch, dass man in Deutschland ab sechzehn begleitet trinken darf.

00:22:24: Und wir wissen auch aus gandinavischen Ländern, dass so ein bisschen strengere Umgang mit Alkohol, ob man sich Alkohol kaufen darf, ob man Alkohol trinken kann, auch dazu beitragen kann, vulnerable Gruppen zu schützen.

00:22:38: Wie gesagt, die Problematik und die Verfügbarkeit einer Substanz erhöht auch das Risiko der Abhängigkeit, weil ich kann von keiner Substanz der Welt oder kann keinem Verhalten der Welt abhängig werden, wenn ich das nicht einmal gemacht oder versucht habe.

00:22:54: Und je höher ich die Wahrscheinlichkeit habe, irgendwie in Berührung zu geraten, wie gesagt sei es schon als zwölf, dreizehn, vierzehnjähriger, desto höher ist dann die Wahrscheinlichkeit, doch vielleicht auch ein Problem mit dieser Substanz zu entwickeln.

00:23:11: Und da glaube ich schon, dass auch eine gewisse Verantwortung in der Politik ist.

00:23:17: dass die vor allem die vulnerablen Gruppen geschützt werden, dass man sich die Gesetzeslage nochmal anguckt, ob das wirklich Sinn macht, dass so junge Menschen sich schon Alkohol kaufen können und natürlich auch bei der erwachsenen Bevölkerung, dass man auch auch für seine Kinder mit seinem Konsumverhalten ein Muster darstellt.

00:23:37: Und das ist auch durchaus am Prinzip Lernen am Modell, auch man eine Verantwortung dafür hat, wie man als Erwachsener mit dem Konsum umgeht.

00:23:47: Und ich glaube, da gibt es schon noch einige Hausaufgaben, die wir da alle gemeinsam machen können, um vor allem die Vulnerablen dazu schützen.

00:23:55: Ja, das ist wohl das passende Schlusswort.

00:23:57: Herzlichen Dank, Herr Althitas, für dieses wirklich spannende und tolle Gespräch.

00:24:02: Und ich hoffe, dass wir Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörern, so ein paar neue oder wichtige Informationen über das Thema Alkohol mit an die Hand geben konnten.

00:24:11: Und wir hören uns dann an der nächsten Sendung vom GFU-Podcast Lebenslinien wieder.

00:24:16: Und bis dahin verlor ich mit den Worten des glorreichen Joss Sommer, The Future ist am Flitten.

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