Wenn Angst zur Krankheit wird
Shownotes
Jeder kennt Angst. Doch wann überschreitet sie die Grenze zur Erkrankung? Im Gespräch mit Dr. Sezer Melisande Lammers, Fachärztin für Psychiatrie an der GFO Klinik Wissen, klären wir über Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Angststörungen auf – verständlich, einfühlsam und Praxisnah.
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00:00:11: Lebenslinien zwischen Kopf, Herz und Schicksal.
00:00:14: Der Podcast zur Gesundheit, Leben und Pflege.
00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.
00:00:22: Heute sprechen wir über ein Thema das sehr viele Menschen betrifft Über das aber trotzdem noch zu wenig gesprochen wird Über Angststörungen.
00:00:32: Im Grunde kennen wir doch alle Angst.
00:00:34: Sie schützt uns sie wartet uns vor Gefahren Und gehört so einen gesunden Leben dazu.
00:00:39: Doch was passiert, wenn Angst nicht mehr schützt?
00:00:42: Sondern wenn sie den Alltag bestimmt.
00:00:44: Wann wird aus einer normalen Reaktion eine Erkrankung?
00:00:47: und vor allem welche Hilfe gibt es?
00:00:51: Darüber spreche ich heute mit Dr.
00:00:52: Sessa Medisande-Lamas Fachärztin für Psychiatrie und ärzliche Direktorin in der GFO Klinik Wissen.
00:00:59: Schön dass Sie da sind!
00:01:00: Hallo, grüße Sie.
00:01:02: Was ist Angst überhaupt?
00:01:04: Angst is' ne ganz basale Emotion des Menschen So was letztlich wie Freude oder Wut oder Ekel, wobei man sagen muss es die Angst.
00:01:16: Letztlich ein Gefühl ist welches einen Alarmsystem des Körpers darstellt.
00:01:23: Also ist Angst eigentlich etwas wichtiges?
00:01:25: Angst ist was ganz wichtiges!
00:01:27: Angst hat eine Schutzfunktion für uns.
00:01:30: dass wir vorsichtig sind das wir bestimmte Dinge abwägen bevor wir irgendwie kopflos was machen ist die Funktion von Angst.
00:01:39: Und wann wird das eine normalen Angst, ein Angststörung?
00:01:44: Es wird eine Angststörung wenn man sich übermäßig mit diesen Dingen beschäftigt – mit der Angst!
00:01:49: Wenn die Angst den Alltag einschränkt, wenn sie aus Angst Dinge vermeiden also wenn das Einfluss auf ihr Privatleben und ihr Berufsleben hat und Sie das Gefühl haben nicht mehr handlungsfähig zu sein wegen dieser großen Angst.
00:02:04: Wie häufig ist das?
00:02:05: Also wie häufig gibt es Angststörungen?
00:02:08: Angststörung behandeln wir in der Psychiatrie sehr oft, in ganz unterschiedlichen Formen.
00:02:14: Wir haben Patienten die generalisierte Ängste haben, Angststöhrung im Sinne von Panikattacken oder auch bestimmte Phobien.
00:02:24: aber man muss dazu sagen dass Angst natürlich ein Gefühl ist was auch in verschiedenen anderen Erkrankungen auftreten kann.
00:02:31: Auch bei einer Depression kann man Angst haben oder bei einer Psychose zum Beispiel nur.
00:02:37: diese Angststörungen kreisen um das Thema Angst und die Auswirkung, die das auf das Leben der Patienten hat.
00:02:46: Sie haben gerade gesagt Angst ist ein Gefühl aber gibt es auch körperliche Symptome?
00:02:51: Genau, also wir können ja Körper und Seele nicht so wirklich voneinander trennen.
00:02:55: Wenn wir Angst haben dann macht das ja eine physiologische Reaktion.
00:02:58: Dann merken wir das körperlich, dann haben wir das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
00:03:03: oder viele beschreiben auch einen Schwindel oder die Sorge umzukippen weil das Gefühl ist der Körper der funktioniert jetzt gar nicht mehr.
00:03:10: ich verliere das Bewusstsein Das ist die Ebene.
00:03:14: oder Wir haben das Gefühl dass wir losmöchten, dass wir fliehen möchten Und daraus entsteht ja dieses Gefühl Situation gar nicht mehr haben.
00:03:21: Ich möchte das vermeiden, ich will dieses schreckliche Gefühl verbunden mit der körperlichen Reaktion und was dann in meinem Kopf passiert – das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit oder Ohnmacht.
00:03:33: Ich will das gar nicht meer
00:03:34: haben.".
00:03:34: Gibt es dafür häufige Auslöser?
00:03:37: Das kann ganz unterschiedlich sein!
00:03:39: Es können Lebensumstände sein die einen zum Krübeln bringen, die einen vorsichtig machen lassen oder so genannte Panikattacken, dass man eine Situation hatte mit einem unguten Gefühl und sich dieses Gefühl sozusagen ausgestaltet.
00:03:55: Dass wenn einem zum Beispiel mal in einem Supermarkt schlecht geworden ist, das man das miteinander verknüpft Und sich dann sozusagen antrainiert, auch wenn ich im Supermarkt bin.
00:04:05: Da ist ja was passiert da wird mir schlecht und dass ich dann diese Reaktion so einbürgert und ich schließlich am Ende Angst habe in einen Supermarkt zu gehen weil dort war ja mal eine Art Panikattacke gewesen und dann wird daraus ne Panikstörung
00:04:20: Stress Schlafmangel oder erdauerfte Belastung.
00:04:22: spielt das auch eine Rolle?
00:04:24: Auf jeden Fall, wenn ich nicht ausgeschlafen bin, bin ich ja nicht so wirklich ich selbst.
00:04:29: Ich bin müde und total anfällig für Dinge Und dann wenn ich eine Neigung habe, Ängste zu haben oder Panik zu haben Dann passiert das natürlich schneller genau wie Wenn sie sich körperlich krank fühlen, dann sind diese Themen ganz schnell bei ihnen.
00:04:45: Und wie verändert einer Angststörung das Leben der Betroffenen?
00:04:48: Angst will man nicht haben ist ja ganz viel unangenehmes Gefühl, Hilflosigkeit des Körperliche und das will man vermeiden.
00:04:58: Und das ist im Grunde das was passiert?
00:05:00: Dass Patienten die Angst auslösern bei Panikattacken oder dieser Agoraphobie – das ist wenn ich mich nicht traue irgendwo hinzufahren alleine oder auf Plätze zu gehen in Menschenansammlungen zu gehen – dass sich diese Dinge vermeide!
00:05:16: Ich vermeide unter Umständen auch schöne Dinge.
00:05:19: Also ich gehe nicht mehr mit meinen Freunden raus, ich geh auf kein Konzert und versuche das nicht stattfinden zu lassen was aber dann wieder einfaches auf mein Leben nimmt.
00:05:29: Privat, aber auch im beruflichen Kontext dass sich mich nicht mehr wirklich traurig zur Arbeit zu gehen.
00:05:35: Ja?
00:05:40: Genau eben dann!
00:05:42: Wenn Sie merken, dass sie auf Dinge in Ihrem Leben aktiv verzichten und diese nicht mehr bewältigen können.
00:05:48: Also wenn ich mich nicht mehr vor die Tür traue weil ich Angst habe öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen dann ist es wichtig zu sagen okay ich hole mir jetzt Hilfe
00:05:58: Und wer mal sich keine Hilfe holt also wenn die Angststörung unbehandelt bleibt was wir folgen kann das haben?
00:06:03: Die Vermeidungsschleife wird größer Enge mir meinen Radius ja sozusagen mehr ein, habe keine Hilfe.
00:06:12: Die Angst gestaltet sich weiter aus und irgendwann kann es in der Depression münden weil ich eben auch keine Interaktion mehr im Leben habe und ich werde krank.
00:06:23: Ich bin nicht mehr flexibel und es können sich auch andere Erkrankungen noch dazu finden
00:06:29: sozusagen.".
00:06:31: Jetzt haben wir über die Erkränkung selber gesprochen.
00:06:33: aber wie wird eine Angststörung überhaupt behandelt?
00:06:36: Es gibt die Möglichkeit Medikation einzunehmen, aber ich würde die kognitive Verhaltenstherapie also die Psychotherapie an erster Stelle empfehlen.
00:06:47: Warum?
00:06:48: Weil sie nachhaltig diese Gedankengänge durch die Psychotherapie verändern können.
00:06:54: Also erstmal analysieren, was passiert hier überhaupt und was kann ich gedanklich gegensteuern?
00:06:59: Wie kann ich mein Verhalten trainieren?
00:07:01: dass wenn ich zum Beispiel eine Agoraphobie habe jetzt rausgehe und merke es passiert ja gar nichts!
00:07:07: Diese Angst hat in meinem Kopf stattgefunden.
00:07:10: das ist nicht real.
00:07:12: Die
00:07:14: sind gut, insbesondere im psychotherapeutischen Bereich hat man eben durch dieses Üben und diese anderen Gedankengänge die man sich mit dem Therapeuten antrainiert.
00:07:25: Also dieses Umdenken hat man gute Chancen eine Angststörung so zu behandeln dass man von einer Remission sprechen kann.
00:07:33: Was können Betroffene selber tun um besser mit der Angst umzugehen?
00:07:37: Ja, erstmal die Akzeptanz.
00:07:38: Da ist eine Angst!
00:07:39: Ich kämpfe jetzt nicht dagegen an sondern okay ich habe eine Angststörung.
00:07:43: mir ist klar das sind irrationale Ängste weil da sind ja meistens Befürchtungen die wir haben in diesen Angststörungen und ja ich akzeptiere das und gehe schrittweise mit einem Therapeuten bestenfalls ran und übe die Dinge die der Therapeut mir oder Therapeutin mir dann aufträgt.
00:08:04: Kurzfristige Strategien bei starke Angst.
00:08:06: Gibt es so etwas?
00:08:07: Ja, die gibt's auch natürlich in den Situationen Atemtechniken oder Entspannungsübungen.
00:08:14: Aber warum fällt das Menschen so schwer Hilfe zu suchen?
00:08:17: wenn sie eine somatische Erkrankung haben Fällt es leichter zum Arzt zu gehen als eine seelische Erkrankung weil man sieht ihn ja nicht an.
00:08:26: Sie können dass auch zum gewissen Punkt gut kaschieren.
00:08:29: Und häufig ist so das Gefühl, na ja irgendwas muss ich ja falsch gemacht haben oder es liegt an mir?
00:08:35: Warum stelle ich mich so an und dann noch... Wir haben zwar viel aufgeklärt in unserer Gesellschaft aber trotzdem sind seelische Erkrankungen immer noch nicht so wirklich anerkannt und es wird eher als eigene Schwäche ausgelegt da nichts zu funktionieren.
00:08:48: Was kann man dagegen tun gegen diese Nicht-Akzeptanz?
00:08:51: Zum
00:08:52: Arzt gehen sich erst mal an Vertrauen, der dann wahrscheinlich an einen Psychotherapeut weiterleiten wird und bei sich selber bleiben.
00:09:00: Nicht so den Blick von außen auf sich richten lassen sondern für sich sorgen und schauen dass man die Angst in den Griff bekommt.
00:09:09: Wenn es jetzt Zuhörer gibt, die sich in den Symptomen einer Angststörung wiederfinden welche Botschaft geben sie denen mit auf dem Weg
00:09:17: was tun?
00:09:18: gar nicht erst die Angst groß werden lassen, sondern direkt Hilfe zu holen.
00:09:23: Wenn bemerkt wird dass die Angst jetzt so das eigene Management übersteigt wie ich eben sagte für sich selber zu sorgen.
00:09:32: Liebe Frau Dr.
00:09:33: Lamas danke für das spannende Gespräch!
00:09:35: Ich glaube wir konnten heute zeigen dass Angststörungen häufig sind ernst genommen werden sollten und vor allem gut behandelbar sind.
00:09:42: Vielen Dank dass Sie sich heute Zeit genommen haben.
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